#1: Corona-Viren sind keine Grippe-Viren: Herrscher mit Krone

Eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus wird oft mit einer Grippe verglichen. Das macht Sinn, weil wir so Gemeinsamkeiten erkennen, was uns in unseren Handlungen Sicherheit gibt. Aber Corona-Viren sind eben keine Grippe-Viren, denn wir erkennen auch einige entscheidende Unterschiede – gefühlt und tatsächlich jeden Tag mehr. Virologen weltweit arbeiten zusammen in einem großen Netzwerk, um diese Unterschiede einordnen und ihnen auf den Grund gehen zu können. Daraus, und aus den Erkenntnissen der letzten Monate aus China und Italien, ergibt sich jeden Tag ein immer feineres Bild. Und jeder neue Tag muss wieder an die neue Situation angepasst werden. 

Das gibt uns Handlungssicherheit, weil wir es kennen: Gemeinsamkeiten mit der Grippe:

  1. Beide Erreger sind sogenannte RNA-Viren, die eine Hülle tragen. Diese Hüllen enthalten Fettmoleküle, weshalb man die Viren relativ einfach durch gründliches Händewaschen zerstören kann.
  2. Beide Erreger werden durch Tröpfchen übertragen, durch Husten, Niesen, feuchtes Sprechen. Auf einigen Oberflächen überdauern die Viren einige Zeit, so dass man sich auch darüber anstecken kann.
  3. Beide Erreger lösen Atemwegsinfektionen mit einer großen Bandbreite aus: Manche Infizierte merken kaum etwas, andere zeigen die typischen Grippesymptome auf und einige Erkrankte versterben an den Folgen des Infekts.

Das muss noch genauer erforscht werden uns, weil es so anders ist: Unterschiede zur Grippe

  1. Der neue Corona-Erreger trägt auf seiner Schutzhülle Eiweißmoleküle, die aussehen wie kleine Kronen (lat. Corona). Das Grippevirus dagegen hat ganz andere Eiweißmoleküle auf seiner Oberfläche. Hier greifen die Antikörper an. Entweder der Körper bildet nach 7 bis 14 Tagen selbst welche, oder wir bekommen die Antikörper mit einer Impfung.
  2. Der Grippe-Erreger ist ein alter Bekannter, der jedes Jahr wiederkehrt, immer etwas verändert, aber unverkennbar. Das neue Corona-Virus ist absolut neu für uns. Es trifft unser Immunsystem völlig unvorbereitet. Mehr dazu erfahrt ihr in dem Text, in dem ich auf die Impfung eingehe.
  3. Die Ansteckungszeit liegt beim neuen Corona-Virus bei durchschnittlich 5 – 6 Tagen, bei Grippe-Viren 1 – 2 Tage bevor die ersten Symptome wie Fieber oder Muskelschmerzen auftreten. Social Distancing ist deshalb so wichtig, weil wir in diesen 5 – 6 Tagen, bevor wir merken, dass wir uns krank fühlen, einfach deutlich mehr Mitmenschen anstecken können, als hätten wir uns mit der Grippe infiziert.
  4. Jeder, der mit dem neuen Corona-Virus infiziert ist, kann durchschnittlich 2 – 2,5 Personen anstecken. Die Übertragungsrate bei der Grippe liegt bei 1 – 2 Personen. Noch ein guter Grund für Social Distancing und vor allem können inzwischen sehen, das die Maßnahme wirkt, denn seit Anfang April liegt die Übertragungsrate bei 1.

Jeden Tag gibt es neue Erkenntnisse, die dazu beitragen, das Virus besser zu verstehen, seine Verbreitungswege zu verhindern und seine zum Teil schwerwiegenden Folgen auf unsere Gesundheit zu minimieren. 

Weitere Informationen findet ihr hier:

Institut für Virologie der Charité Berlin

Bundesgesundheitsministerium

Robert-Koch-Institut